Stephan Rieke, Chief Economist Trust, Private Wealth Management, ODDO BHF SE

Durch den Waffenstillstand hellen sich die Perspektiven für Aktien auf

Durch den Waffenstillstand zwischen dem Iran, Israel und den USA in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist Schlimmeres zumindest vorläufig abgewendet worden. Allerdings ist die Vereinbarung über den zweiwöchigen Waffenstillstand zu fragil, als dass sie eine verlässliche Grundlage für eine Neubewertung der Lage darstellt. So streben die Konfliktparteien zwar eine Öffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus für den internationalen Seeverkehr an. Doch die Vorstellungen der Beteiligten über die Bedingungen für eine dauerhafte Waffenruhe gehen offenbar weit auseinander. Es ist noch sehr unklar, wie eine längerfristige Friedensregelung aussehen könnte.

Trotz vieler offener Fragen lässt sich eine deutliche Entspannung erkennen. Aus diesem Grund bleiben wir weiterhin stark in Aktien engagiert. Sicher, die wirtschaftlichen Folgen dieses Konflikts werden die Märkte noch längere Zeit belasten. So liegen die Notierungen von Rohöl im internationalen Handel auch jetzt noch signifikant über dem Niveau, zu dem Öl vor den ersten Militärschlägen gegen den Iran gehandelt worden ist (s. Abb. 1).

Allerdings hat das Basisszenario an Wahrscheinlichkeit gewonnen, dass der Inflationsanstieg begrenzt und vorübergehend ist. Zwar dürfte es noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis sich die Verbraucherpreise für Benzin und Diesel normalisieren. Der Anstieg des allgemeinen Preisniveaus sollte sich jedoch allmählich abschwächen und später ebenfalls zu normalisieren beginnen. Belastungen für das Wirtschaftswachstum bleiben jedoch bestehen. Bereits in der vergangenen Woche hat der Sachverständigenrat der Bundesregierung die Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft halbiert. Er senkte die erwartete Wachstumsrate für 2026 von 1,3 Prozent auf nur noch 0,6 Prozent. Die Risikoverteilung sieht nun wieder etwas günstiger aus, so dass sich diese Prognose hoffentlich als etwas zu pessimistisch erweisen wird. Durch die Kombination einer Abflachung der Inflationsraten und einer Eintrübung der Wirtschaftsaussichten nimmt der Druck auf die Zentralbanken ab, eine restriktivere Geldpolitik zu verfolgen.

Der Krieg im Nahen Osten hat zwar nicht alle Regionen der Welt gleichermaßen getroffen, aber doch die Weltwirtschaft insgesamt in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb dürfte es auch international agierenden Unternehmen schwerfallen, eine Wachstumsschwäche in einer Region durch Geschäftszuwächse in anderen auszugleichen. Von daher stellen wir uns für die kommenden Monate auf Enttäuschungen bei den Unternehmensgewinnen ein. Allerdings kann der Markt nach unserer Einschätzung eine solche Ergebnisschwäche verkraften, wenn sie als vorübergehend angesehen werden kann. Die aktuelle Marktreaktion auf den Waffenstillstand jedenfalls war positiv (s. Abb. 2).

Investoren agieren stets in einem Umfeld mit ungewisser Zukunft. Der Handel mit Unsicherheit ist sozusagen das Wesen der Geldanlage. Deshalb sind Anlageentscheidungen immer das Ergebnis von Abwägungen. Unter Betrachtung der aktuellen Risiken und Chancen an den Aktienmärkten halten wir es für verfehlt, die Anlagechancen nicht wahrzunehmen, die sich – wie wir beispielsweise während der letzten Tage gesehen haben – an den Aktienmärkten ergeben könnten. Allerdings agieren wir weiterhin mit großer Vorsicht und meiden Engagements in Marktsegmente, die unserer Einschätzung nach zu stark von geopolitischen Entwicklungen abhängen.

Wir bevorzugen in diesem Umfeld amerikanische Aktien, da die US-Wirtschaft durch den Irankrieg weniger stark betroffen ist als die europäische. Zwar haben die Benzinpreise auch in den USA Rekordhöhen erreicht. Doch die amerikanische Energiewirtschaft ist weniger von den Weltmärkten abhängig als die europäische. Im Jahr 2020 sind die USA Netto-Exporteur von Rohölprodukten geworden. Das bedeutet nicht, dass die USA kein Öl mehr importieren, doch diese Einfuhren stammen zu 60 Prozent aus Kanada. Aktuell bewegen sich die Wachstumsprognosen für die amerikanische Wirtschaft im Jahr 2026 in einer Bandbreite zwischen 1,6 und 2,0 Prozent. Damit liegen sie mehr als drei Mal so hoch wie die für Deutschland.

Ein zweiter Grund spricht aus unserer Sicht für Aktienengagements in den USA: Wichtige potenzielle Werttreiber am amerikanischen Aktienmarkt entwickeln sich weitgehend unbeeinflusst von den weltpolitischen Verwerfungen. Amerikanische Unternehmen halten die Innovationsführerschaft in den Zukunftsthemen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI). Dank zahlreicher Innovationen und milliardenschweren Investitionen dürften viele von ihnen überproportional hohe Kapitalrenditen erzielen können. Zudem sind die Bewertungen in diesem Bereich zurückgekommen. Allerdings gilt es auch hier, Investments sorgfältig und selektiv auszuwählen.

Trotz der Vorteile, die wir auf der US-Seite erkennen, sehen wir auch am europäischen Markt unter Berücksichtigung der Risiken nach wie vor Chancen. Eine gewisse Robustheit versprechen vor allem Aktien von Unternehmen, die im verteidigungsnahen Bereich und im Bereich Infrastruktur tätig sind.  Am europäischen Markt suchen wir gezielt nach unserer Ansicht nach attraktiven Investmentmöglichkeiten – und finden diese auch immer wieder. Ungeachtet der weiterhin bestehenden Unsicherheit sind wir davon überzeugt, dass Aktien nach wie vor ein ansprechendes Chance-Risiko-Profil aufweisen. Wir bleiben vorsichtig, sind aber nicht ängstlich.

Stephan Rieke

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