Kai Franke, Investment Office Private Wealth Management, ODDO BHF SE

Schwellenmärkte profitieren von Chip-Knappheit

Schwellenmarkt-Aktien sind 2026 stark ins Börsenjahr gestartet. Der für dieses Marktsegment maßgebliche Index MSCI Emerging Markets ist seit Jahresbeginn um mehr als 7 Prozent gestiegen. Damit setzt er seine Aufwärtsbewegung aus dem Jahr 2025 bisher fort. Im vergangenen Jahr hat sich der MSCI Emerging Markets um 34,3 Prozent erhöht, während sich der Aktienindex MSCI World, der die Märkte der entwickelten Länder abbildet, um immer noch beachtliche 21,6 Prozent verbessert hat. Dabei ist natürlich zu berücksichtigen, dass vergangene Wertentwicklungen keine zuverlässigen Indikatoren für die zukünftige Wertentwicklung sind und Anlagen in Schwellenländern aufgrund höherer wirtschaftlicher, politischer und währungsbezogener Risiken stärkeren Schwankungen unterliegen können.

Damit sind die aufstrebenden Volkswirtschaften wieder ins Sichtfeld der Anleger gerückt. Lange Zeit hatten die Investoren die oft volatilen Märkte gemieden: Im Jahr 2022 schloss der MSCI Emerging Markets mit einem Rückgang von mehr als 20 Prozent ab und blieb auch die beiden darauffolgenden Jahre deutlich hinter dem MSCI World zurück. Nun sind die Investoren offenbar wieder bereit, auch in den Märkten der Schwellenländer nach Anlagechancen zu suchen. In den ersten Wochen dieses Jahres floss schon mehr als die Hälfte des gesamten Kapitalzuflusses des vergangenen Jahres in diese Märkte.

Zum Comeback der Schwellenmärkte hat das makroökonomische Umfeld beigetragen. In den USA hat die Notenbank Fed ihre Leitzinsen im Jahr 2025 weiter zurückgenommen auf eine Bandbreite von aktuell 3,5 bis 3,75 Prozent. Es ist zu erwarten, dass sie 2026 bei einer unterstützenden Geldpolitik bleiben wird und ihre Zinsen weiter lockern könnte. Hinzu kommt die Abschwächung des US-Dollars, die sich positiv auf Schwellenländer auswirkt. In den vergangenen zwölf Monaten hat die US-Währung gegenüber dem Euro mehr als 13 Prozent an Wert verloren.

Der wichtigste Faktor ist aus unserer Sicht jedoch eine tiefgreifende Verschiebung in den Wirtschaftsbeziehungen zwischen einigen Schwellenländern und den USA. Die Zeiten sind vorbei, in denen Schwellenländer nur aufgrund reichlich vorhandener und vergleichbar günstigerer Arbeitskräfte für Lohnkostenverlagerungen infrage kamen. Heute sind Südkorea und Taiwan zu den wichtigsten Herstellerländern für Computerchips aufgestiegen, dem wichtigsten Rohstoff für die Digitalisierung und Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. Und dieser Rohstoff ist zurzeit denkbar knapp, da das Angebot mit der enormen Nachfrage nicht annähernd Schritt hält.

TSMC aus Taiwan stellt mehr als 60 Prozent aller Computerchips her und bis zu 90 Prozent der modernsten Chips, die für KI benötigt werden. Damit ist TSMC der weltweit größte unabhängige Auftragsfertiger. Hinzu kommen in Taiwan Produzenten wie UMC, Mediatek, ASE Group, Realtek und Novatek. Südkorea wiederum ist führend in der Herstellung von Speicherchips (DRAM und NAND) mit Herstellern wie zum Beispiel Samsung Electronics und SK Hynix.

Ihre größten Kunden wiederum sind die großen Hyperscaler in den USA. Das sind Unternehmen, die riesige Datenzentren für Cloud Computing, Datenspeicherung und unvorstellbar viele Rechenleistungen betreiben. Marktführer unter den Hyperscalern sind Amazon mit Amazon Web Services (AWS), Microsoft mit Azure, Google Cloud Platform (GCP), IBM Cloud, aber auch Alibaba Cloud in China. Sie alle sind auf Computerchip-Lieferungen aus Taiwan und Südkorea angewiesen.

Der starke Anstieg des MSCI Emerging Markets wird maßgeblich von den Chipherstellern aus Taiwan und Südkorea getragen: TSMC, Samsung Electronics, SK Hynix und Mediatek kommen zusammen auf ein Indexgewicht von 21,1 Prozent. Diese vier Unternehmen agieren wie ein Oligopol, das sehr diszipliniert auftritt und so eine Preisexplosion bei Computerchips ausgelöst hat. Das zeigt sich spiegelbildlich in den Quartalsergebnissen ihrer amerikanischen Kunden, die sich in ihren Finanzberichten über die hohen Preise und Lieferengpässe beklagen. Das führt dazu, dass die Investitionsausgaben (capital expenditures) bei den amerikanischen Hyperscalern zwischen 2021 und 2025 um mehr als das 2,5-fache gestiegen sind, Speicherchip-Hersteller jedoch ihre Kapitalausgaben in diesem Zeitraum weitgehend stabil halten konnten. Der freie Cashflow dieser vier Computerchiphersteller dürfte in diesem Jahr von etwa 50 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf rund 300 Milliarden Dollar steigen. Bei den amerikanischen Hyperscalern stagniert er in diesem Zeitraum bei rund 200 Milliarden Dollar.

Diese Zahlen zeigen, wie sich die Marktmacht von den USA zugunsten dieser beiden Schwellenländer verschoben hat – und auch zwischen China und diesen beiden Ländern. Lange hatten chinesische Aktien den MSCI Emerging Markets dominiert. Nun erreicht Taiwan ein Indexgewicht von 21 Prozent und Südkorea eins von 16 Prozent. Damit kommen sie der ungemein größeren Wirtschaftsmacht China, das im Index noch 27 Prozent schwer ist, auf diesem Feld beträchtlich nahe.

Von der Kursrally in Taiwan und Südkorea profitieren auch andere Schwellenmärkte, die nun ebenfalls wieder in das Blickfeld internationaler Anleger geraten. Im vergangenen Jahr wurde Indien durch den Zollstreit mit den USA zurückgeworfen. Zunächst hatte US-Präsident Donald Trump das Land mit einem erhöhten Zoll von 25 Prozent bedacht, wie viele andere Staaten auch. Doch als sich Indien weigerte, auf Öllieferungen aus Russland zu verzichten, belegte Trump Indien mit einem Strafzoll von weiteren 25 Prozent, was indische Exporte in die USA um insgesamt 50 Prozent verteuerte. Das schreckte viele Anleger zunächst ab. Doch nun scheinen sich die Beziehungen zu entspannen, was bereits zu einer Kurserholung am indischen Aktienmarkt geführt hat.

Weiter sehen wir Anlagechancen auch an Schwellenmärkten wie Vietnam, Brasilien und Mexiko. Anleger sollten die Entwicklung bei den Emerging Markets aufmerksam verfolgen, ein Investment jedoch vom Anlagehorizont und der individuellen Risikotragfähigkeit abhängig machen. Denn dieses Marktsegment hatte in der Vergangenheit stets eine hohe Schwankungsanfälligkeit gezeigt.

Kai Franke

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