Kai Franke, Investment Office Private Wealth Management, ODDO BHF SE
Märkte beginnen, die Tech‑Fantasie stärker zu hinterfragen
- Gemischte Reaktionen auf erste Quartalsberichte
- Berichtssaison über das vierte Quartal 2025 zeigt erste Trends
- Aktienanteil leicht übergewichtet
Die Reaktionen auf die Quartalszahlen von Meta und Microsoft haben eine Tendenz bestätigt, die sich zuletzt schon angedeutet hat. Das Stichwort „Künstliche Intelligenz“ (KI) allein genügt nicht mehr, um bei den Anlegern Euphorie auszulösen. Die Märkte beginnen, bei Tech stärker abzuwägen und die Investitionen der Unternehmen im Hinblick auf KI zu hinterfragen. In der allgemeinen Einschätzung dürften sich die Marktteilnehmer einig sein: KI wird die Wirtschaft und unseren Alltag in den kommenden Jahren so tiefgreifend verändern wie nur wenige Innovationen zuvor. Der generelle Optimismus verbindet sich allerdings mit einer gewissen Sachlichkeit. Denn sicher ist nur, dass die großen Tech-Konzerne riesige Investitionen finanzieren müssen, um mit der Entwicklung Schritt zu halten und im besten Fall ihre Marktposition zu stärken. Doch während die Kapitalausgaben beständig wachsen, sind die Umsätze und Erträge bisher nur recht schemenhaft vorauszusehen. Die Anleger verfolgen deshalb sehr genau, wie sich die einzelnen Unternehmen von Quartal zu Quartal entwickeln.
Am Mittwoch hatten Meta und Microsoft nach dem New Yorker Börsenschluss ihre Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2025 veröffentlicht, wobei die Reaktion der Märkte sehr unterschiedlich ausfiel. Die Aktien von Meta Platforms tendierten am Donnerstag fester, nachdem der Umsatzausblick des Mutterkonzerns von Facebook, WhatsApp, Threads und Instagram stärker als erwartet ausfiel. Dies trug dazu bei, die Auswirkungen höherer Ausgaben für KI auf das Ergebnis auszugleichen. Die Aktie von Microsoft dagegen hat einen empfindlichen Kursrückschlag erlitten. Grund dafür waren hier die hohen Investitionsausgaben. Sie liegen bei 37,5 Milliarden Dollar und damit laut Bloomberg über der Konsens-Schätzung der Analysten von 36,3 Milliarden Dollar.
Nun sollten diese Kursbewegungen nicht überbewertet werden. Sie sind Momentaufnahmen. Die Marktteilnehmer werden in den kommenden Tagen ihre Einschätzungen weiter verfeinern und in ihre Anlagedispositionen einfließen lassen. Doch sie bestätigen unsere Einschätzung, dass die Anleger zwar immer noch große Hoffnung auf KI setzen, dass sie aber nicht mehr bereit sind, dem Versprechen auf eine blühende KI-Zukunft blind zu folgen.
Wir halten es für eine positive Entwicklung, dass nun auch bei KI eine größere Bedachtsamkeit einzukehren scheint. Auch legt die erste Börsenreaktion auf die Quartalszahlen, die Apple am Donnerstagabend nachbörslich berichtet hat, nahe, dass KI nicht der einzige Kurstreiber an Wall Street ist. Apple hat einen Anstieg des Quartalsumsatzes von 16 Prozent auf 143,8 Milliarden Dollar gemeldet, davon allein 85 Milliarden Dollar mit dem iPhone 17. Der verwässerte Gewinn je Aktie stieg gegenüber dem Vorjahr um 19 Prozent auf 2,84 Dollar. Die Marktteilnehmer hatten überwiegend einen Gewinn von 2,65 Dollar je Aktie erwartet. Im nachbörslichen Handel am Donnerstag reagierte die Apple-Aktie mit Kursgewinnen auf diese Ergebnisse.
Die Apple-Zahlen stehen in einem Umfeld einer insgesamt robusten Gewinnentwicklung im Schlussquartal 2025. Das Analysehaus FactSet hat mit Stand 23. Januar berechnet, dass die Gewinne der Unternehmen des S&P 500 um 8,2 Prozent in die Höhe gegangen sein werden, wobei FactSet als Basis stets alle 500 Unternehmen des Aktienindex S&P 500 einbezieht, die tatsächlich berichteten Gewinne berücksichtigt und für die übrigen die Konsensschätzungen der Analysten nutzt. Dadurch wird das Bild umso genauer, je weiter die Berichtssaison voranschreitet. Somit könnten die Ergebnisse des vierten Quartals 2025 am Ende höher ausfallen als jetzt berechnet. Nach den ersten Veröffentlichungen zeichnet sich für das abgelaufene Quartal ab: Wenn das übliche Maß an „Gewinnüberraschungen“ (im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre 7 Prozentpunkte) realisiert würde, könnte das vierte Quartal mit einem Gewinnwachstum im zweistelligen Bereich enden.
Zusätzliche Unterstützung bekommen die amerikanischen Aktienmärkte derzeit von der Geldpolitik. Zwar hat der Offenmarktausschuss der Fed den Leitzins am Mittwoch wie erwartet in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Doch damit erhält sich die Notenbank Spielraum, um die Zinsen möglicherweise im späteren Jahresverlauf zurückzunehmen. Zudem hat sie damit den Märkten signalisiert, dass sie mit ihrer Geldpolitik das Wirtschaftswachstum zwar weiter stützt, allerdings nicht zu einer allzu expansiven Zinspolitik übergeht, die zusätzliche Unsicherheit an den Märkten erzeugen würde.
Unter dem Strich bleiben wir amerikanischen Aktien gegenüber positiv eingestellt und haben die Gewichtung von Aktien in unseren Portfolios von „Leicht Untergewichten“ auf „Leicht Übergewichten“ angehoben. Dabei behalten wir die Risiken im Blick. Kursrückschläge wurden zuletzt überwiegend durch politische Ereignisse ausgelöst, die bisher keine bleibende Wirkung an den Märkten entfaltet haben. Diese Volatilität bietet langfristig ausgerichteten Anlegern mit entsprechender Risikotragfähigkeit die Möglichkeit, zu reduzierten Bewertungen Positionen günstig auszubauen. Aus unserer Sicht ergibt sich vor allem aus der erratischen Politik von US-Präsident Donald Trump weiterhin eine politische Risikoprämie. Nun hat er selbst die Großbank JP Morgan Chase auf mindestens 5 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt, nachdem die Bank Anfang 2021 nach dem Sturm von Trump-Anhängern auf das Kapitol mehrere Konten von Donald Trump geschlossen hatte. Der geforderte Betrag ist – wie im amerikanischen Zivilrecht durchaus üblich – völlig aus der Luft gegriffen.
Kai Franke
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