Kai Franke, Investment Office Private Wealth Management, ODDO BHF SE
Die Perspektiven für die Aktienmärkte hellen sich auf
- Erleichterung an den Finanzmärkten nach Trumps Rede in Davos
- Fundamentaldaten sprechen für leichte Übergewichtung von Aktien
- Zeiten der Unsicherheit bieten immer wieder Einstiegsgelegenheiten
Die Erleichterung an den Finanzmärkten nach der Rede von US-Präsident Donald Trump am Mittwoch dieser Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos war förmlich zu spüren. In den USA, aber auch in Europa, Japan und Ostasien sind die Aktienkurse daraufhin angezogen. Die Gefahr eines neuen Zollkonflikts zwischen den USA und Europa mit der Möglichkeit einer Militärintervention der USA in Grönland hatte die Finanzmärkte zuletzt nervös werden lassen. Allerdings ist auch jetzt die Unsicherheit für die Marktteilnehmer noch nicht vollständig ausgeräumt.
In Davos hatte Trump den US-Anspruch auf Grönland zwar bekräftigt, aber immerhin den Einsatz von Militärgewalt ausgeschlossen. Am selben Abend kündigte er auf seiner Plattform Truth Social an, nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte habe man sich auf einen Rahmen für ein mögliches Abkommen zu Grönland geeinigt. Auf die angekündigten Strafzölle gegenüber acht europäischen Ländern würden die USA verzichten. Zum 1. Februar 2026 wollte er ursprünglich die Zölle für Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland um 10 Prozentpunkte heraufzusetzen. Zum 1. Juni sollten sie um weitere 25 Prozentpunkte steigen, falls diese Länder nicht bis dahin Trumps Absicht, Grönland zu annektieren, unterstützten. Im Zollkonflikt im vergangenen Jahr hatte die EU noch beschwichtigend auf Trumps Zollerhöhungen reagiert. Dieses Mal wollten die Europäer nicht klein beigeben. Auf einem Sondergipfel beabsichtigten sie, Gegenmaßnahmen zu besprechen. Es stand ein Volumen von 93 Milliarden Euro im Raum.
Wesentliche Aspekte dieser Einigung sind noch nicht bekannt. So lässt sich über den Inhalt eines Abkommens über Grönland bisher nur spekulieren. Auch liegt noch weitgehend im Dunkeln, was Trump zu dieser Kehrtwende veranlasst hat und ob sein Einlenken tatsächlich von Dauer sein wird. Immerhin sagte Trump am Mittwochabend gegenüber dem Sender CNBC, dieses Abkommen sei für die Ewigkeit gemacht.
Genauso ungewiss sind die kurzfristigen Folgen für die Aktienmärkte. Vor Trumps Rede war das Marktgeschehen von hoher Nervosität und einer deutlichen „Risk-Off“-Bewegung geprägt. Anleger zogen Geld aus besonders risikobehafteten Vermögenswerten ab und schichteten ihre Anlagen in Finanzinstrumente um, die eine größere Sicherheit bieten. Diese Bewegungen trafen amerikanische Aktien, aber auch amerikanische Staatsanleihen.
Doch trotz der überraschenden Wende in Davos sind die Zweifel an den Finanzmärkten nicht vollständig ausgeräumt. Europäische Aktien leiden unter Handelskonflikten und Beeinträchtigungen in der Weltwirtschaft in der Regel stärker als amerikanische, da die europäische Wirtschaft stärker von offenen Weltmärkten abhängig ist.
Viele europäische börsennotierte Unternehmen haben ihr Amerika-Geschäft verringert. So haben die Unternehmen im Aktienindex MSCI Europe im vergangenen Jahr den USA-Anteil an ihren Einnahmen um 6,7 Prozent reduziert. Doch sie hängen immer noch zu 23,1 Prozent vom amerikanischen Markt ab. Stattdessen haben die Unternehmen ihr Geschäft in Europa, vor allem in Italien um 13,9 Prozent und in Spanien um 20,9 Prozent, erhöht. Auch wenn die angedrohten Strafzölle ausbleiben, hat das US-Geschäft der europäischen Unternehmen immer noch ein hohes Gewicht.
Diese kurzfristigen Risiken beobachten wir aufmerksam, da sie sich leicht zu einer langfristigen Neubewertung an den Märkten aufbauen können. Doch in diesem Fall gehen wir davon aus, dass die Belastungsfaktoren zurückgegangen sind und wirtschaftliche Fundamentaldaten wieder stärker in den Vordergrund rücken. Diese wiederum geben uns Anlass, zuversichtlich auf die Märkte zu schauen. Dementsprechend haben wir den Aktienanteil in den Portfolios, die wir verwalten, auf „Leicht Übergewichten“ heraufgesetzt. Die Wirtschaft wächst weltweit solide, und eine Rezession steht unserer Einschätzung nach nicht bevor. In Europa, aber auch in Deutschland, dürfte das Wirtschaftswachstum leicht anziehen. Der IWF rechnet für 2026 mit 1,1 Prozent, die EZB mit 1,2 Prozent. In den USA wird das Wachstum unter Volkswirten in einer Spanne von 1,8 bis 2,0 Prozent erwartet.
Unterstützt werden die Aktienmärkte zudem durch fiskalische Anreize in den USA und Europa wie auch durch eine expansive Geldpolitik, die das positive makroökonomische Bild unterstreichen. Allein im vergangenen Jahr hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins drei Mal zurückgenommen, sodass er nun in einer Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent liegt. Zwar hält sie eine weitere Senkung für angemessen, doch für die Sitzung des Offenmarktausschusses kommende Woche ist ein solcher Schritt nicht zu erwarten. Auch auf Seiten der Unternehmen überwiegt unserer Ansicht nach ein positives Bild. Zwar sind die Kennzahlen zur Bewertung von Aktien weiter gestiegen, die insgesamt robuste erwartete Gewinnentwicklung dürfte jedoch dazu beitragen, die Auswirkungen der höheren Bewertungen weitgehend abzufedern. Potenzielle Gewinnüberraschungen könnten die Bewertungen und die langfristigen Trends in Technologie und Künstliche Intelligenz weiter stützen. Das Analysehaus Fact Set schätzt für die USA, dass die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 in diesem Jahr um 14,8 Prozent je Aktie steigen könnten.
Die Haltbarkeit von Trumps Aussagen sollte, wie die Erfahrung zeigt, mit Vorsicht aufgenommen werden. TACO – Trump always chickens out (Trump macht immer einen Rückzieher) – spotten jetzt seine Kritiker. Doch in der Grönland-Frage ist das letzte Wort nicht gesprochen. Wir bleiben, was die Beurteilung der weiteren Außenpolitik der USA angeht, dementsprechend vorsichtig. Angesichts der Unsicherheit an den Märkten bleiben wir bei unserem Investmentansatz, der das Risiko von Engagements in Aktien auf lange Sicht begrenzen sollte: Wir suchen Unternehmen, die maßvoll verschuldet sind, ein überzeugendes Geschäftsmodell verfolgen, eine marktgerechte Eigenkapitalrendite erzielen und deren Aktien aus unserer Sicht angemessen bewertet sind. Deshalb investieren wir selektiv in Titel, die auf lange Sicht attraktive Perspektiven versprechen. Solche von Unsicherheit geprägte Marktphasen bieten für Anleger bei entsprechender Risikotragfähigkeit und langfristigem Anlagehorizont erfahrungsgemäß auch interessante Einstiegsgelegenheiten.
Kai Franke
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