Kai Franke, Senior Investment Strategist Private Wealth Management, ODDO BHF SE

Anleihen guter Qualität gewinnen an Attraktivität

Der Militärkonflikt am Golf hat die Anleiherenditen in den vergangenen Tagen auf ein Niveau steigen lassen, das uns für Anleger mit entsprechender Risikobereitschaft nun recht attraktiv erscheint. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen beispielsweise erreichte in dieser Woche zeitweise 4,4 Prozent, die von Bundesanleihen kletterte über 3 Prozent. Auslöser für den Renditeanstieg ist vor allem die Einschätzung der Marktteilnehmer, dass die Inflationsrisiken deutlich gestiegen sind und die Geldpolitik restriktiver werden dürfte.

Vor vier Wochen lag die Rendite zehnjähriger US Treasuries noch unter der Marke von 4 Prozent (siehe Abbildung 1). Angesichts einer Staatsverschuldung von aktuell 38,5 Billionen Dollar zählt für die US-Regierung jeder Basispunkt. Das hat möglicherweise dazu beigetragen, dass Trump nun eine Waffenruhe mit dem Iran anstrebt und mit der Staatsführung in Teheran über einen 15-Punkte-Plan verhandeln will. Seit Wochenbeginn, als sich die Entspannung bereits andeutete, hat sich die Rendite leicht auf 4,3 Prozent zurückgebildet.

An den Märkten geht kaum jemand davon aus, dass der Anstieg der Energiepreise dieses Mal einen vergleichbaren Inflationsschub wie im Gefolge der Pandemie und des Angriffs auf die Ukraine auslösen wird. Gleichwohl erwarten die Marktteilnehmer überwiegend, dass die Inflation in den USA und vor allem auch in Europa in den kommenden Monaten scharf anziehen wird. Die Terminmärkte zeigen aber auch, dass die Anleger in der zweiten Jahreshälfte einen spürbaren Rückgang der Energiepreise und der Inflationsraten erwarten. Die Rohöl-Terminkontrakte beispielsweise bepreisen das Fass Rohöl der Sorte Brent mit Liefertermin in 12 Monaten mit rund 80 Dollar, etwa 20 Dollar niedriger als den nächstfälligen Liefertermin, Mai (siehe Abbildung 2). Ein solcher Rückgang erscheint plausibel, wenn die Straße von Hormus wieder für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet werden sollte. Bisher folgen die Märkte dem Szenario, dass die Auswirkungen der militärischen Auseinandersetzung am Golf auf die Finanzmärkte vielleicht nicht mild und kurzlebig, aber doch in überschaubarer Zeit überstanden sein sollten.

Für unsere Anlagepolitik stehen die europäischen Anleihemärkte im Vordergrund. Auch in Europa sind die Renditen in Folge des Irankriegs deutlich gestiegen. Die Rendite von Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit hatte vor einigen Tagen die Marke von 3 Prozent überschritten und war damit auf das höchste Niveau seit fast 15 Jahren gestiegen (siehe Abbildung 3). In Frankreich verzinsen sich zehnjährige Staatsanleihen (OAT) mit rund 3,6 Prozent, und in Italien noch etwas höher. Im Mittel liegt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen bei rund 3,4 Prozent.

Der Renditeanstieg in Europa geht vor allem auf die Erwartung der Marktteilnehmer zurück, dass die EZB als Antwort auf die anziehende Inflation deutliche Zinserhöhungen vornehmen wird. Die Sitzung des EZB-Rates und nachfolgende Kommentare von Notenbankern haben die Zinserhöhungsbereitschaft der EZB bestätigt. Inzwischen veranschlagen die Terminmärkte bis Jahresende 2026 annähernd drei Schritte (von jeweils 25 Basispunkten) nach oben, auf 2,75 Prozent. Die langfristigen Inflationserwartungen, gemessen beispielsweise anhand der Markterwartungen für die durchschnittliche Inflation über den Fünfjahreszeitraum in fünf Jahren, sind nach Beginn des Kriegs mit dem Iran aber nur leicht gestiegen.

Bei den europäischen Unternehmensanleihen beobachten wir seit Beginn der Kämpfe in der Golfregion eine leichte Ausweitung der Renditedifferenz (Spread) gegenüber Bundesanleihen. Konkret sehen wir für qualitativ hochwertige Anleihen aus dem Investment Grade-Segment eine Vergrößerung des Renditeabstands um 12 Basispunkte auf aktuell etwa 93 Basispunkte (gemessen anhand des ICE BofA Euro Corporate-Index). Bei der Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass der Spread in der zweiten Jahreshälfte 2025 und während der ersten beiden Monate des Jahres 2026 außerordentlich niedrig war. Der Anstieg stellt deshalb aus unserer Sicht nur eine leichte Verringerung der Risikoneigung dar. Die Höhe des Spreads ist weit davon entfernt, ernsthafte Zweifel an der Kreditwürdigkeit der Unternehmen auszudrücken (siehe Abbildung 4).

Die gestiegenen Renditen erhöhen nach unserer Einschätzung die Attraktivität von Anleihen für Anleger mit entsprechender Risikobereitschaft. Natürlich besteht die Möglichkeit, dass der Höhepunkt der Renditeentwicklung noch nicht erreicht ist. Wenn aber die Grundannahme zutrifft, dass der Konflikt im Nahen Osten und seine Folgen für die Energiemärkte in greifbarer Zukunft abklingen werden, scheinen die drei erwarteten Zinserhöhungen der EZB viel vorwegzunehmen. Zudem bietet die flachere Zinskurve auch für kürzere Laufzeiten interessante Renditen – die zweijährige Bundesanleihe beispielsweise rentiert mit 2,6 Prozent, die fünfjährige mit 2,7 Prozent.

In der Anlage bevorzugen wir nach wie vor Unternehmensanleihen, die im Vergleich zu staatlichen Schuldtiteln ein nach unserer Überzeugung besseres Rendite-Risiko-Profil aufweisen. Der ICE BofA Euro Corporate Index weist eine Rendite von 3,66 Prozent (für eine mittlere, gewichtete Laufzeit von 4,6 Jahren) aus. Die Ausfallquote ist am europäischen Markt weiterhin niedrig. Bei der Bonität allerdings sollte man nach unserer Überzeugung sorgfältig auswählen und gerade auch vor dem Hintergrund des Energiepreisschocks auf eine robuste Kreditqualität achten.

Kai Franke

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